In einer kleinen Kapelle im Ostwestfälischen ist ein Brand ausgebrochen – gelegt zur Vertuschung eines Mordes. Guter Stoff für den achten Westwind-Krimiabend im Rahmen des „Krimimarathon Berlin-Brandenburg”.

In einer kleinen Kapelle im Ostwestfälischen ist ein Brand ausgebrochen, in Rehme, dem östlichen, an der Weser grenzenden Stadtbezirk von Bad Oeynhausen. Als die Feuerwehr eintrifft, ist den Brandbekämpfern schnell klar, dass sie es nicht nur mit einer Brandstiftung zu tun haben: vor dem Altar finden sie eine verbrannte, im Rollstuhl sitzende Leiche.

Ein Stoff wie geschrieben für dunkle, stürmische Herbstabende. Und präsentiert von einer Schriftstellerin, die sich selbst als „unverbesserliche Ostwestfälin” bezeichnet, wenn auch eine mit „rheinländischem Temperament”. Carla Berling lebt und schreibt in Köln.

Das mit dem Temperament können die fast 70 Gäste des Westwind-Krimiabends in der „Botschaft des Westens”, der Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen beim Bund, seit dem 17. November aus eigenem Erleben bestätigen. Frau Berling kann nicht nur wunderbar schreiben, sie trägt auch mitreißend lebhaft vor.

Ihre Bühnenerfahrung gewann sie gewiss auch mit ihrer Comedyreihe „Jesses Maria”, mit der sie lange auf Tournee war. Jedenfalls versteckt Frau Berling ihr Darstellertalent auch dann nicht, wenn sie aus ihren Büchern liest und erzählt, aus welchen Quellen sie für ihre Romane geschöpft hat.

Die Grundidee für die Mordkapelle, erfährt ihr Publikum, musste Frau Berling nicht erfinden. Sie beruht auf einer wahren Begebenheit, in der ein stadtbekannter, hochangesehener Apotheker eine Hauptrolle spielt. Die Ermittlerin Ira Wittekind, Journalistin bei der lokalen Monopolzeitung, ist unter den ersten, die an der brennenden Kapelle eintreffen. Kein Zufall, denn sie ist aus früheren Recherchen gut bekannt mit einigen Mitarbeitern der örtlichen Strafverfolgungsbehörden.

Das öffentliche Interesse am Tod des Apothekers ist groß. Wittekind fängt an zu graben und stößt schließlich auf eine weit zurückliegende, fragwürdige Episode in der Lebensgeschichte dieses Herrn, eine Spur, die zur Lösung des Kriminalfalls führt.

Zu den begeisterten Zuhörern zählten drei Mitglieder des Westwind Vorstands: Jörg Restorff, der für die Westwind-Präsenz in den sozialen Medien verantwortlich zeichnet, die Westwind-Geschäftsführerin Rita Brückner, die den Einlass übernommen hatte, und Klaus Brückner, stellvertretender Vorsitzender des Westwind e.V., der den Krimiabend mit der Begrüßung der Gäste und der Autorin eröffnete. Dazu gehörte ein vielversprechender Blick voraus:

Die Veranstaltung zur Eröffnung des Krimi Marathons im November 2018 wird wahrscheinlich als gemeinsame Veranstaltung des Krimimarathon-Managements, der NRW-Vertretung und des Westwind e.V. im großen Europasaal der „Botschaft des Westens” stattfinden. Auf jeden Fall aber wird der Westwind e.V. - wie mittlerweile längst gewohnt – eine eigene Lesung im Rahmen des Krimimarathons einladen.

Den Stab reichte Klaus Brückner dann weiter an den ehemaligen Westwind-Geschäftsführer Ditmar Gatzmaga, der Frau Berling zusätzlich mit einem Kurzinterview vorstellen wollte. Es fiel noch knapper aus als gewohnt, weil Frau Berling darauf verwies, Biografisches ohnehin in den Vortragstext eingebaut zu haben.

Carla Berling fesselte ihr Publikum anderthalb Stunden lang. Nach 45 Minuten gab es eine gut zwanzigminütige Pause, in der sie am Büchertisch des „Buchladens zur schwankenden Weltkugel” Bücher signierte. Die Mordkapelle war schnell ausverkauft, außerdem wechselten auch einige Exemplare von „Sonntags Tod” den Besitzer.

Dieser Roman war Berlings erster mit der Ermittlerin Ira Wittekind, die Mordkapelle ist der vierte dieser Reihe, aber zugleich der erste, der bei Heyne erschienen ist. Dieser große Publikumsverlag hat die Rechte an allen Romanen der Reihe erworben, der Buchhandel bestand aber darauf, den Verkauf der Wittekind-Romane unter den Heyne-Fittichen mit einer Neuerscheinung zu starten. „Sonntags Tod” schickte Heyne als Nachfolger für den eigentlich vierten Band der Reihe in den Handel.

Tischgespräche mit rheinischem und westfälischem Zungenschlag gab es vor dem Start des Programms bei einer leckeren Suppe und nach dem offiziellen Schluss zum Ausklang eines sehr unterhaltsamen, fröhlichen Westwind-Abends.

Hans Henner Becker

Deutscher Bundestag, wiss. Dienst; Autor von Tango-Theaterstücken, Chef der „Tangonale“

WESTWIND ist für mich ein Brückenschlag zwischen der alten Heimat Düsseldorf und der neuen Heimat Berlin.