„Am Tag danach war nichts mehr so, wie es vorher war“ – so fasste unser Westwind-Mitglied Dr. Ingolf Burstedde seine persönlichen Erinnerungen an den Tod des Studenten Benno Ohnesorge am 2. Juni 1967 zusammen. Ohnesorge war als Teilnehmer einer Demonstration gegen den Besuch des Schahs von Persien gegenüber der Deutschen Oper in der Nähe des William-Shakespeare-Platzes in einem Hinterhof von Karl Heinz Kurras, einem Berliner Schutzpolizisten, der viele Jahre später als Stasi-Mitarbeiter enttarnt wurde, aus nächster Nähe erschossen worden.

Die Demonstrationen gegen den Schah markierten den Beginn der Studentenunruhen in Berlin. Sie richtete sich in der Folgezeit gegen aktuelle politische Entwicklungen in Deutschland, aber ebenso gegen Imperialismus, Krieg und Gewaltherrschaft, und waren zugleich Impuls und Ausdruck eines gesellschaftlichen Veränderungsprozesses, der darauf zielte, das überkommene konservative Weltbild von Obrigkeit und nicht in Frage zu stellender Autoritäten – im staatlichen, gesellschaftlichen und durchaus auch privaten Leben - zu überwinden.

Vom Tatort der Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg zum Amerika-Haus am Bahnhof Friedrichstraße, wo die Demonstrationen gegen den Vietnam-Krieg ihre Höhepunkte fanden, über die Gedächtniskirche, wo stiller Protest von Studenten während eines Gottesdienstes von aufgebrachten Gläubigen mit Gewalt gestoppt wurde, bis zu dem Ort, an dem der prominenteste Vertreter der Studentenbewegung, Rudi Dutschke, am 11. April 1968 durch drei Schüsse eines Gelegenheitsarbeiters schwer verletzt wurde, führte Jochen Schäfer die 16 „Westwindler“ am Samstagnachmittag zu markanten Stationen des Beginns dieses Veränderungsprozesses in Berlin.

Proteste und schier endlose Debatten mit oft hilf- und ratlos wirkenden Politikern, Demonstrationen und gewalttätige Auseinandersetzungen mit der Polizei bestimmten diesen Prozess. Die zunehmende Radikalität führte aber schließlich auch dazu, dass sich auch die Rote-Armee-Fraktion für ihre kriminellen und terroristischen Aktionen auf diesen Veränderungsprozess berief - letztlich damit jedoch eine noch stärkere Reaktion des Staates bei der Ausübung seines Gewaltmonopols provozierte.

Tim Arnold

The Boston-Consulting Group, Köln; 2006 – 2010 Leiter der NRW-Vertretung in Berlin, zählte zum Gründungsteam des Westwind e.V.!

Meine Westwind-Mitgliedschaft ist Ehrensache: Wir Nordrhein-Westfalen in Berlin halten zusammen.