23. Juni 2017

Ein ebenso spannender wie vergnüglicher Hauptstadtkrimi, von einem Autorengespann mit NRW-Vergangenheit …

Sue & Wilfried Schwerin von Krosigk im Garten der "Botschaft des Westens"
von links: Ditmar Gatzmaga, Wilfried Schwerin von Krosigk

Eine Westwind-Krimilesung an einem Freitagabend – das ist mittlerweile eine gewohnte Übung für Freundinnen und Freunde dieser Art von Spannungsliteratur. Denn seit einigen Jahren beteiligt das NRW-Hauptstadtnetzwerk Westwind e.V. sich an der hoch erfolgreichen Veranstaltungsreihe „Krimimarathon Berlin-Brandenburg“, die immer im November stattfindet.

Der Freitagabendtermin ist durchaus ein Wagnis. Denn konkurrierende Kulturangebote von Format gibt es zum Start ins Wochenende in Hülle und Fülle. Aber der Veranstalter wähnte sich sicher, denn an Zuspruch hatte es bei den Freitagslesungen im Rahmen des Krimimarathons nie gemangelt. Warum sollte das Ende Juni anders sein?

Na gut: im November haben Biergärten und andere Angebote unter freiem Himmel an Anzugskraft verloren. Ein Restrisiko also blieb. Angesichts des bis an die Grenzen des Fassungsvermögens gefüllte Westlounge im Souterrain der „Botschaft des Westens“, der Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen in Berlin, musste darauf kein Gedanke mehr verschwendet werden.

Möglicherweise hatten die positiven Besprechungen des Krimierstlings von Sue & Wilfried Schwerin von Krosigk dazu einen Beitrag geleistet. Im TAGESSPIEGEL wurde das Buch als „Grandios!“ bewertet. Im rbb inforadio war zu hören:

Eine turbulente Geschichte, schräg, zuweilen absurd und sehr lustig. Die Einflüsse des britischen Humors sind unüberlesbar.

Und über einen Besuch des Ehepaares beim Sender war und ist im Netz zu lesen:

Das Autorenpaar Sue & Wilfried Schwerin von Krosigk schreibt seit über zwanzig Jahren gemeinsam Drehbücher für das Fernsehen. Geprägt sind beide von langjährigen Auslandsaufenthalten in New York und London, von wo sie unter anderem ihre Vorliebe für den angelsächsischen Humor mitgebracht haben.

Diese Vorschusslorbeeren hatten gewiss nicht geschadet. Noch wichtiger aber: die Gäste wurden nicht enttäuscht! Das Autorengespann stellte sich eingangs einigen Fragen des Moderators Ditmar Gatzmaga. Ja, die Beiden leben seit Jahren in Berlin und waren zuvor viele Jahre im Ausland gewesen, Sue in Kanada und in Großbritannien, in London, Wilfried in den USA, in New York. Kennengelernt aber hatten sie sich während des Studiums im Rheinland in Bonn.

Liebe auf den ersten Blick war es nicht. Aber es wurde später mehr als das, nämlich eine gemeinsame berufliche Passion für das Schreiben von Drehbüchern, insbesondere für das Fernsehen. „Der Minutenschläfer“ war das erste gemeinsame literarische Projekt. Und direkt so erfolgreich, dass der der Berliner be.bra Verlag den Nachfolgeroman, „Die Pergamonmorde“, bereits nachgeschoben hat.

Fragen der Gäste zielten insbesondere auf die Form der Zusammenarbeit beim Schreiben. Am Anfang steht natürlich die gemeinsam ersponnende Idee, die dann strukturiert wird in Kapitel. Auf dieser Grundlage beginnt das Schreiben, wofür die Kapitel aufgeteilt werden. Die Texte werden sodann gemeinsam besprochen, abgeglichen und angeglichen, ergänzt, fortgesponnen oder gekürzt. Von Anfang bis Ende ist das Produkt also in jeder Hinsicht ein Gemeinschaftswerk.

Auch die Lesung erfolge in lebhaftem Wechsel. Präsentiert wurde vor allem ein Unglücksrabe, die Hauptperson Hartung Siegwart Graf von Quermaten zu Oytinghausen, kurz „Hasi“. Vom Titel alleine kann er nicht leben, deshalb lernten die Gäste in zur Einführung als glücklosen Makler kennen, und eben als Unglückraben, denn er stürzt bei der Abfahrt von der Gründerzeitvilla im schicken Berliner Südwesten, in Zehlendorf, und wird von zwei misstrauischen Polizeibeamten in Gewahrsam genommen, weil sie seinen Angaben nicht trauen: Ein ärmlich bekleideter Graf, der sich als Makler für die Villa hochspielt, vor der er nach seinem Sturz in den Büschen lag?

Hasi kann sich dann doch noch ausweisen. Bedenklich wird die Lage für ihn später dennoch, denn aus der Villa wurde ein wertvolles Gemälde entwendet. Noch bedenklicher wird sie, als er in einer zweiten, ihm anvertrauten Villa die Leiche einer jungen Frau entdeckt. Was bleibt ihm übrig? Er muss die Polizei alarmieren. Als er die Beamten aber zum Tatort führt, fehlen die Leiche und ihr Blut, das sich auf dem Parkettboden ausgebreitet hatte.

Hasi steckt also in Schwierigkeiten. Die er gar nicht brauchen kann. Denn leicht ist sein Leben ohnehin nicht. In den unpassendsten Augenblicken fällt er für Sekunden, für Minuten plötzlich in einen ohnmachtsähnlichen Schlaf, er leidet an Narkolepsie, der Schlummersucht.

Vor Beginn der Lesung wurden die Gäste zum Büfett gebeten

Wie es weitergeht? Wurde den Gästen der Lesung selbstverständlich nicht offenbart. Ein geringer Trost, dass sie stattdessen zum Schluss noch einiges über den Nachfolgeroman, über die „Pergamonmorde“ erfuhren. Beide Bände lagen zum Erwerb aus am Büchertisch des „Buchladens zur schwankenden Weltkugel“. Die erworbenen Bände wurden auf Wunsch gerne signiert. Und waren, wie immer, für Westwind-Mitglieder um drei Euro im Preis reduziert.