5. Mai 2017

Urbanität, rastlose Lebendigkeit und die Vielfalt der Kulturen und Lebensformen prägen Kreuzberg, das als Ortsteil des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg weit über seine Grenzen hinaus bekannt ist.

Hier war über viele Jahre die Hausbesetzerszene fest verwurzelt, die Lage am Ostrand des ehemaligen West-Berlin begünstigte die Entwicklung einer Alternativkultur und lud zu künstlerischen und sozial-politischen Experimenten ein. Aber auch Menschen aus anderen Ländern, mit einer anderen Sprache, Kultur und Religion fanden hier ein neues Zuhause.

Synagoge, Moschee und katholische Kirche – was gibt es zu entdecken und Neues zu erfahren über das soziale und religiöse Leben der Gemeinden, die aktuellen gesellschaftspolitischen Herausforderungen und die Bedeutung und Besonderheiten der Architektur der Gebetshäuser?

Wissbegierig machte sich eine Gruppe von Westwindlern auf den Weg nach Kreuzberg, um in den einzelnen Gotteshäusern von sachkundigen Referenten Antworten auf diese Fragen zu erhalten.

Synagoge am Fraenkelufer

Mit einem freundlichen „Schalom” werden wir begrüßt und dürfen in den Bänken der Synagoge Platz nehmen. Knapp eine Stunde kann sich der Referent Herr Joachim Zeit für uns nehmen, bevor der um 19 Uhr beginnende Schabbat weitere Aktivitäten untersagt.

Wir hören, dass

  • sich seit der Zerstörung des Tempels in Jerusalem Juden zu einem gemeinsamen Gebet in der Beth Knesset, Haus der Versammlung, oder auch Synagoge (griech: sich versammeln) einfinden
  • eine Synagoge kein geweihter Raum ist und deshalb auch nicht religiöse Veranstaltungen stattfinden können
  • für ein gemeinsames Gebet die Anwesenheit von mindestens zehn jüdischen Männern erforderlich ist
  • je nach Ritus und Zugehörigkeit zu einer Strömung des Judentums Frauen getrennt von den Männern sitzen
  • es in Berlin acht Synagogen gibt, die viele verschiedene Riten anbieten
  • ca. 10.000 Juden in Berlin registriert sind, die nur zum Teil das Judentum aktiv praktizieren
  • die Synagoge am Fraenkelufer in den Jahren 1913 bis 1916 erbaut und in der Pogromnacht 1938 schwer beschädigt wurde, ursprünglich Platz für 2000 Personen bot

Wir dürfen einen kurzen Blick auf die hinter einem Samtvorhang aufbewahrte Thora werfen und werden mit den jüdischen Fest- und Feiertagen vertraut gemacht.

Nachdem unsere vielen Fragen beantwortet sind, machen uns auf den Weg zur

Omar Moschee

Auch hier werden wir von einem Referenten erwartet, der uns durch das Gebäude führt.

Die Moschee ist die zweitgrößte Moschee Berlins, liegt im Herzen Kreuztals und ist mit vier Minaretten und einer gläsernen Kuppel geschmückt.

Die Omar Ibn Al Khattab Moschee wurde offiziell am 21. Mai 2010 eröffnet und kostete rund 10 Millionen Euro, die zum Teil durch von vor Ort gesammelten Spenden aufgebracht wurden.

Der Gebetssaal mit zweistöckiger Galerie bietet Platz für ca. 1000 Frauen und Männer. Die Moschee ist mit einem Maschari-Center ausgestattet welches auf sieben Geschossen Festsäle, eine Bibliothek und Seminarräume beherbergt. Im Zentrum gibt es einen Halal-Metzger, ein Restaurant, einen Frisör, Boutiquen, Cafés und vieles mehr.

St. Marien Liebfrauen

Etwas versteckt in der Straßenflucht der Wrangelstraße ist eine traditionsreiche und für katholische Verhältnisse in Berlin alte Pfarrei St. Marien Liebfrauen zu Hause. Die im neoromanischen Stil gebaute Kirche wurde 1905 eingeweiht.

Damals wie heute war der Stadtteil ein „sozialer Brennpunkt” und die Öffnung für neue Gruppen und ein stärkeres soziales Engagement durch die Pfarrer Kliesch und Schlütter führte dazu, dass es heute eine Gemeinde gibt, in der auch Arme und am Rande der Gesellschaft Stehende einen Platz haben.

Der Innenraum wurde 1994 renoviert, die weißen Wände und die klar verglasten Fenster sorgen für eine ungewöhnliche Helligkeit.