15. März 2017

Eine Theateraufführung in der Jugendstrafanstalt Berlin
nach dem gleichnamigen Roman von Bernard-Marie Koltès

Der französische Dramatiker Bernard-Marie Koltès verarbeitet in „Roberto Zucco” einen realen Kriminalfall.

Roberto Zucco, ein Serienmörder, der Vater und Mutter getötet hat, ist die Hauptfigur in dem Drama, das sich mit der Frage beschäftigt, ob gesellschaftliche Gewalt sozial bedingt sein kann und wieso unsere Gesellschaft zunehmend an Empathie einbüßt.

Zucco, wegen Mordes zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, entkommt durch eine waghalsige Flucht aus dem Gefängnis. Das Schauspielensemble der Jugendstrafanstalt Berlin folgt dem Fluchtweg Zuccos durch eine Welt, die dessen Wünschen keinen Raum bieten kann. Roberto Zucco überschreitet Normen und Regeln, seine soziale Herkunft gibt keinen Grund für seine Verbrechen. Alle gängigen Erklärungen versagen bei ihm, für seine Taten kann er selbst keine Motive nennen und wird damit zur Bedrohung für eine an Sicherheit und Berechenbarkeit orientierte Gesellschaft.

Mal im Chor sprechend, dann athletisch körperbetont agierend, spielt das hochkonzentrierte Gefangenen-­Ensemble eine dunkle im Verfall befindliche Welt vor, die durch Gewalt bestimmt ist. Zucco wird von mehreren Spielern dargestellt, erkennbar an der Kleidung, einem schwarzen Hemd mit aufgesticktem rotem Z.

Kontrastreich garniert wird die intensive Aufführung mit Hans-Albers-Liedern, die dazu beitragen, die Schwere des Dramas