Geboren wurde Franz Müntefering in Neheim-Hüsten im Sauerland. Sein Vater war Landwirt, seine Mutter Hausfrau.

In Sundern ging Franz Müntefering zur Volksschule, anschließend ließ er sich in einem metallverarbeitenden Betrieb zum Industriekaufmann ausbilden.

Der SPD trat er 1966 bei, im Ortsverein Sundern. Hierzu notiert er auf seiner Webseite, wie er sich dort vorgestellt hat:

Ich will mitmachen bei Euch. Für fünf Jahre; ich will mal sehen, ob das was bringen kann.“

Es brachte was. Franz Müntefering stieg stetig auf in seiner Partei. Etliche, wichtige Jahre war er Vorsitzender des mächtigen, weil mitgliederstärksten SPD-Bezirks „Westliches Westfalen“. Und bereits ab 1991 war er Mitglied im Bundesvorstand der SPD.

Er erhielt eine Reihe weiterer wichtiger Ämter, nicht, weil er sich danach drängte, sondern weil man sie im zu- und anvertraute.

Bei vielen Politikern ist es Koketterie, wenn sie behaupten, sie warten auf einen Ruf ins Amt. Doch ein koketter Franz Müntefering? Das ist wohl ein Oxymoron.

Franz Müntefering wurde häufig gerufen und ließ sich in die Pflicht nehmen. In seinen späten Jahren mag es auch so gewesen sein, dass er sich selbst in die Pflicht nahm. Um dort zu lenken, wo er vermutete, dass die anderen es falsch machen würden. Sein persönlicher Ehrgeiz galt aber immer zuerst der Partei und dem, was er in der Sache für richtig hielt.

Franz Müntefering war Landesvorsitzender der SPD in Nordrhein-Westfalen, er war Bundesgeschäftsführer der SPD und dann ihr Generalsekretär.

Er war Nachfolger von Gerhard Schröder als SPD-Vorsitzender. Bei dieser Wahl im März 2004 erhielt 95,1 % der Stimmen – das war das beste Ergebnis für einen SPD-Vorsitzenden seit 1991.

Anderthalb Jahre später konnte Franz Müntefering sich im Vorstand mit einer ihm wichtigen Personalie nicht durchsetzen. Deshalb gab er das Amt auf. Sein Nachfolger wurde im November 2005 Matthias Platzeck. Mit einem noch besseren Wahlergebnis, aber kürzerer Amtszeit.

Franz Münteferings höchstes öffentliches Amt war das des Vizekanzlers und Bundesministers für Arbeit und Soziales in der Großen Koalition unter Kanzlerin Angela Merkel.

Von 1969 bis 1979 gehörte Müntefering dem Stadtrat von Sundern an. Das klingt nach Provinz. Franz Müntefering hat dazu notiert:

Kommunalpolitik ist nicht ihr Kellergeschoß, sondern tragende Säule der Demokratie. Ich werde immer großen Respekt haben vor denen, die vor Ort versuchen, die großen und die kleinen Dinge zum Nutzen der Menschen zu regeln.“

Von 1975 bis 1992 war Franz Müntefering Mitglied des Deutschen Bundestages, dem er dann ab 1998 wieder angehörte. Dazwischen lagen Jahre in der Landespolitik, im Landtag und als Minister für Arbeit und Soziales in der Landesregierung und Ministerpräsident Johannes Rau.

Franz Müntefering ist immer noch Abgeordneter. Er arbeitet in Berlin und lebt mit seiner Frau Michelle im Sauerland.

Sein Ratschlag und Wort sind nach wie vor gefragt. Keineswegs nur wegen seiner schnörkellosen, klaren Sprache. Sein Wort könnte sogar an Gewicht gewinnen, wie das auch bei anderen „Elder Statesman“ der Fall ist. Das jedenfalls wünschen wir ihm. Und uns. Denn in Zukunft, so hoffen wir, kann der Westwind e.V. davon profitieren.